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Die Fassade des Dekanats von St. Jakob hat Heike Merkert bemalt.  Fotos: ac
"Das ist mein absoluter Traumberuf", erzählt Heike Merkert. In blitzsauberen weißen Malerhosen, den Zollstock griffbereit in der Seitentasche, darüber ein roter Pullover, sitzt sie am Schreibtisch. Die blonden Haare sind praktisch kurz geschnitten. Die leuchtend blauen Augen blicken ihr Gegenüber direkt an. "Als Frau musst du immer besser sein als ein Mann. Man muss sich durchsetzten, immer zwei Schritte voraus sein", sagt sie mit einem schüchtern anmutenden Lady-Diana-Lächeln.
Vor neun Jahren hat sich Heike Merkert (geborene Ebert) mit dem Malerbetrieb Ebert selbstständig gemacht. Sie beschäftigt drei Gesellen und ein Lehrmädchen.

Vom Praktikum begeistert

Kreative Ideen und alte Techniken mit Farbpigmenten erzeugen interessante Effekte.
Die Berufsidee stammte ursprünglich von ihrer Zwillingsschwester Martina. "Meine Schwester wollte unbedingt eine Malerlehre machen. Ich habe dann mal ein Praktikum gemacht und war danach auch total begeistert", erzählt die 32-Jährige. Die beiden Schwestern gingen dann bei der Firma Schmidt in Großharbach in die Lehre. "Wir sind da nicht geschont worden", erzählt Heike Merkert mit einem Schulterzucken, "Wir mussten wie alle anderen auch schwere Arbeiten wie Fassadenverputzen machen".
Ehrgeizig wie die beiden jungen Mädels waren, haben sie nicht nur die Schule, sondern auch die Lehre mit Auszeichnung abgeschlossen.

Jugendtraum

"Man will dann mehr. Nur angestellt sein, das fanden wir irgendwie langweilig", sagt die Unternehmerin. Also ging es in die Meisterschule nach Würzburg und im Jahr 2000 legten die Schwestern die Meisterprüfungen für Maler und Lackierer mit der Zusatzqualifikation für Stuckateurarbeiten ab. Heike Merkert erhielt für ihren Abschluss den ersten Preis der Bayerischen Staatsregierung für hervorragende Leistungen.
Schon während der Meisterschule kam immer wieder der Traum von der Selbstständigkeit auf. "Eigentlich dachte ich, dass sind eher Hirngespinste. So eine Art Jugendtraum", erzählt Heike Merkert lachend. Aber aus der anfänglichen Idee wurde Ernst.

Heike Merkert stammt aus Steinbach an der Ens, lebte aber schon während der Lehrzeit in Rothenburg. "Als Frauen auf dem Bau hatten wir einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht und es war klar, wenn wir uns selbstständig machen kommt nur Rothenburg in Frage. Und in der Altstadt wollten wir auch präsent sein", erzählt Heike Merkert. Also ging die Suche nach den richtigen Räumlichkeiten los.
In der Klingengasse 5, direkt unterhalb der St. Jakobs-Kirche wurden die beiden fündig und eröffneten am 1. November 2000 ihr Malergeschäft Ebert.
Da die Räumlichkeiten zuvor als Fischerladen und danach als Dönergeschäft genutzt wurden, standen zuerst umfassende Umbau- und Renovierungsmaßnahmen an. So unschuldig Heike Merkert auch ihr Gegenüber anlächeln kann, die junge Frau weiß sehr genau was sie will.

Mit viel Idealismus

Heike Merkert (zweite von links) und ihr Team sind Maler mit Begeisterung und Spaß an der Arbeit.
Die beiden Schwestern haben praktisch bei Null angefangen: ein Existenzgründungsseminar, ein überschaubares Werbebudget und jede Menge Idealismus im Gepäck. "Am Anfang war das schon hart", blickt Heike Merkert zurück, "wir waren damals 23 Jahre alt und mussten schon sehr diszipliniert sein. Viel Freizeit hatten wir nicht".
Und was haben die Eltern zu dem gewagten Sprung in die Selbstständigkeit gesagt? "Die haben eingesehen, dass sie uns nicht aufhalten können", antwortet sie spontan.
Der Malerbetrieb Ebert hat das gesamte Spektrum der Leistung aus dem Maler- und Putzerbereich angeboten. Verputzen, Tapezier- und Lackierarbeiten, Vergoldungen und diverse Maltechniken sind nur einige der angebotenen Leistungen.
Heike Merkert zeigt mit strahlendem Gesicht die unterschiedlichen Arbeitsproben, erklärt neue Möglichkeiten des Vollwärmeschutzes aus mineralischem Material ("So bleibt das Haus atmungsaktiv und wird nicht abgedichtet") und alte Techniken, die wieder immer mehr Einzug in den Alltag der Malerarbeiten finden. Mit Begeisterung holt sie eine Schauplatte mit aufgezogenem Kalkputz. Das gab es schon früher und die Vorzüge liegen auf der Hand: atmungsaktiv, diffusionsoffen, ohne Schadstoffe und sowohl in Wohn- wie auch in Nassräumen, ergänzt mit verspielten Ornamenten, eine wunderbare Wandgestaltung.

Beschriftung und Schild des Toppler-Theaters hat Heike Merkert umgesetzt.
"Mir macht mein Beruf einfach Spaß", sagt sie mit Überzeugung, auch wenn es dunkle Momente gegeben hat.
Nach dem plötzlichen Tod ihrer Schwester Martina stand Heike Merkert im Januar 2007 alleine mit dem Malerbetrieb da. "Das erste halbe Jahr war schrecklich", sagt sie und blickt auf den Boden. "Alleine hätte ich das nie machen wollen", erzählt sie und führt aber im nächsten Moment die Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern an, die dann doch dazu geführt habe, dass sie den Betrieb weiter erhalten wollte. "Ich habe mich dann voll in die Arbeit gestürzt und war nach einiger Zeit froh, dass ich nicht alles hingeschmissen habe", kann sie nun mit etwas Abstand sagen.

Ordentliche Kleidung

Ihre Kunden haben ihr die Treue gehalten und nach und nach hat sie den Spaß am Traumberuf zurückerobert.
Der Umgang mit den Menschen, die unterschiedlichen Baustellen und Anforderungen, das ist ein Lebenselexier für Heike Merkert. Noch dazu die Herausforderung, dem Malerberuf ein besseres Image zu verpassen, das reizt sie auch.
"Ich sage meinen Leuten immer, zieht euch ordentlich und sauber an", sagt sie lachend, "dieses ,Batzige’ am Malerberuf, das kann ich gar nicht leiden. Da sehe ich rot". Heike Merkert ist ehrgeizig. Sie verlangt von sich selbst erstklassige Arbeit und steht auch für die perfekte Arbeit ihres Teams ein.
"Wenn man etwas gerne und gut macht, dann kommt man auch weiter", sagt sie und gibt ihr schüchternes Lächeln, eingerahmt von strahlend blauen Augen preis. Eine Frau, die mit Leichtigkeit ihren Mann steht.            ac

Farbiger Lebensinhalt

Vom Hirngespinst zum Traumberuf: Heike Merkert ist Malermeisterin und Chefin

Man sieht es ihr nicht an und sie kann eben diese Vorbehalte nicht mehr hören: die zarte Frau am Bau, ob die wohl richtig zupacken kann? Sie kann’s, und zwar schon seit vielen Jahren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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